Shopauswahl nicht nur für Online Marketing

Zurzeit sind wahrscheinlich um die 50-100 professionelle Shopsysteme am Markt verfügbar. Aus Sicht eines Online Marketers würde ich zurzeit aber nur auf ein paar wenige Systeme setzen. Ein guter Online Marketer sieht nicht nur den aktuellen Stand für die Suchmaschinenoptimierung, den Verkauf über Adwords oder Affiliate-Systeme, sondern auch auf die strategische Investition, welche die Wahl eines Shopsystems für einen Kunden bedeutet. Bei einfachen Systemen empfehle ich Prestashop oder Gambio. In beiden Fällen gibt es eine große Entwicklergemeinde, was den zukünftigen Ausbau und eine sichere Versorgung mit zeitgemäßen Anpassungen zu einem günstigen Preis sichert. Die Funktionen für das Online Marketing sind in Ordnung und man braucht nicht einmal einen besonders kräftigen Server, damit die Systeme zügig laufen. Schnittstellen gibt es genügend am Markt und auch die Anpassung an eigene Bedürfnisse ist in der Regel flott gelöst. Was man nicht sowieso schon als weitgehend vorgefertige günstig Schnittstelle bekommt, ist mit moderatem Aufwand erstellt. Tendenziell würde ich Prestashop als noch einen Ticken zukunftssicherer einschätzen, es gibt einfach noch mehr Steigerung. Gängige SEO-Techniken und Möglichkeiten zur Optimierung von Adwords-Kampagnen haben beide an Bord, persönlich gefällt mir Presta etwas besser. Auch noch eine gute Option wäre JTL, was recht flexibel erweiterbar ist und allgemein so bis 20.000 Artikel funktioniert.

Was mit Sicherheit noch hoch interessant wird, ist ein Shop auf Basis von WordPress: WooCommerce. Immerhin ist WordPress sehr, sehr weit verbreitet, lässt sich gut und günstig anpassen sowie mit sehr moderaten Systemanforderungen gut lauffähig.

Da ist Shopware schon etwas anspruchsvoller und auch bei Erweiterungen wird man etwas heftiger zur Kasse gebeten. Oxid ist ein weiteres System, das wie Shopware aus Deutschland kommt und hier ebenfalls sehr gut supported wird. Verschiedene Versionen sind für beide verfügbar, welche in den sogenannten Community Editions kostenlos sind. Damit kann man schon sehr, sehr viel machen. Auch hier gibt es genügend Plugins für die ein oder andere gewünschte Extrafunktion. Generell sind auch viele Dienstleister vorhanden, welche komplexe Aufgaben, etwa mit der Verbindung eines CRM oder von Logistikautomatismen beherrschen. Tendenziell kann man noch mehr Einstellungen am Shop vornehmen, benötigt dann aber auch das geeignete Personal in geeigneter Qualifikation. Beide Systeme laufen nicht mehr auf dem 5-Euro Sonderangebot bei gängigen Providern, es darf ruhig deutlich mehr Rechenleistung und Speicher sein. Dafür gibt es aber auch gut durchdachte und sehr erweiterbare Systeme bis in die absolute Profiliga. Selbstredend sind gängige Suchmaschinenoptimierungstechniken an Bord.

Magento ist ein weiteres Schwergewicht bei den Shops und das in mehrfacher Hinsicht. Unheimlich erweiterbar aber auch sehr verfressen bei den Ressourcen und schon in der kostenlosen Community-Edition weder von angelernten Laien gut zu bedienen, noch auf normalen Hostingpaketen lauffähig. Wer es halbwegs flott haben möchte, sollte schon an einen Prozessorkern und 2 GB RAM denken (für ein nacktes Magento in der Community Edition). Da Magento durch ebay übernommen wurde, kann man nur schwer abschätzen, wie sich seine Weiterentwicklung und die Entwicklung des Preisgefüges definitiv gestalten wird. Oxid, Magento oder Shopware können in den größeren Versionen auch richtig umfangreiche Installationen mit parallelem Betrieb auf mehreren Servern leisten. Und mit der passenden Layout-Programmierung sowie dem inhaltlichen Aufbau der Shops hat man eine sehr breite Palette an Möglichkeiten im Online Marketing. (Ergänzung: Gleiches gilt für Hybris, das auch ein noch dickeres Schwergewicht ist und vor allem bei _richtig_ großen Webshops punkten kann. Die Profiversionen von Magento oder Hybris liegen aber schon in Bereichen, welche sich die meisten Shopbetreiber kaum leisten möchten oder können.)

Nur 7 Systeme, mehr würde ich nicht empfehlen? Ja, denn bei vielen anderen Anbietern und Systemen sehe ich mögliche Probleme. Beispielsweise OS-Commerce und XT-Commerce erscheinen mir entwicklungsgeschichtlich zu alt (erfordern teilweise auch ältere Serverangebote bei Providern) und mit deutlich sinkenden Marktanteilen – damit werden auch weniger Aktualisierungen angeboten und die Programmierung kann teurer werden. Geschweige denn die Verknüpfung mit neuen Systemen. Veyton stammt von XT-Commerce ab und hat eine meiner Menung zu kleine Entwicklergemeinde. Zudem hat es in der Szene um XT-Commerce teilweise böse rumort, als sich verschiedene Entwicklungsstränge abspalteten. Die Programmierer und die supportenden Firmen trennten sich auf. Von Intershop halte ich wenig, es ist für mich zu teuer und persönlich auch zu langsam in der Weiterentwicklung. Es fehlt mir aber noch viel mehr die Masse an „freiberuflichem“ Support, der eine preiswerte und dauerhafte Anpassung bietet. An sich ein schönes System ist tt_products, das als Zusatzmodul in einem Typo3 Content Management System laufen kann. Allerdings muss für mich Typo3 erst einmal eine flächendeckend gelungene Umstellung auf eine reine PHP-Programmierung schaffen, die bislang immer zusätzliche nötige Beherrschung von TypoScript hat sich mM negativ auf die Anzahl erfolgter Installationen ausgewirkt. Für reine Content-Seiten im Webshop kann man eh die entsprechenden Funktionen aktueller Shops bemühen. Epages, das man beispielsweise von den Mietshops bei Strato kennt, halte ich für sehr schön, übrigens auch ein deutscher Anbieter, da fehlt mir aber eine Community Edition mit sehr breiter Verwendung durch eigenständige Shopbetreiber. Mal sehen, was noch von WooCommerce kommt….. Noch mehr Fragen? Ich darf auf unsere Seminare verweisen.

Und dann wäre da noch der erforderliche Level für die Systembeherrschung. Immerhin müssen qualifizierte, besonders qualifizierte oder angelernte Mitarbeiter die Produkte einpflegen. Wie weit möchte man dort gehen? Produktvarianten, SEO, Landingpage-Tauglichkeit für „normales“ Adwords oder Retargeting oder Google Shopping oder Affiliate-Anbindung oder Big Data, oder, oder, oder…….

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